Das Interview mit Adrienne Fichter

Im Anschluss zur Podiumsdiskussion mit Caspar Hirschi, Walter Brenner und Adrienne Fichter unter der Leitung der Moderatorin Susanne Giger durften wir mit Fichter ein interessantes Interview führen. Nebst unserer traditionellen welche-Schokolade-wären-sie-Frage, spricht sie auch über die Digitalisierung in der Schweiz.

Q: Auf der Webseite der Republik, bei der Sie als Redakteurin tätig sind, steht, dass Sie die schweizerische Zurückhaltung bei der Äusserung der eigenen Meinung nicht verstehen können. Jedoch ist es doch auch so, dass das Netz nie vergisst, Menschen aber gemachte Aussagen zurücknehmen möchten. Kann diese Zurückhaltung nicht auch ein Vorteil sein, wenn man sich im Internet politisch engagiert?

Fichter: Ich sage nicht, dass es nicht gut ist, sondern ich mache es einfach nicht. Da ich klare und dezidierte Positionen habe und ich viel über das Thema Digitalisierung schreibe, mag ich es, wenn man konkret ist. Grund dafür ist, dass zu viele falsche Informationen auf dieser Ebene der Digitalisierung vermittelt werden. Viele meinen, dass auf der Ebene übertrieben wird oder verteidigen sich, indem gesagt wird, es betreffe sie nicht, da sie keine Social Media Accounts besitzen. Für mich sind das alles diffuse Wortwolken und in der Schweiz meint man, dass dies mit mehr Bildung behoben werden könne, was aber nicht stimmt, da man auf einem abstrakten Level bleibt. Deshalb mag ich es, wenn man konkret ist.
Die schweizerische Zurückhaltung kann aber auch absolut als Korrektiv verwendet werden, weil im Internet nichts gelöscht werden kann. Wenn man es also aus diesem Blickwinkel betrachtet, kann sie dann doch eine «gute» Schweizer Tradition sein.

Q: Die zunehmende Digitalisierung ist bei uns in der Umwelt eine Realität, die noch nicht bei allen so richtig angekommen ist. Ein Beispiel dafür wäre Bundesrat Schneider-Ammann, der zur Sicherheit seines Laptops gesagt hat: «Ich schütze meinen Computer eigentlich nicht. Ich lasse ihn nicht liegen, das ist der beste Schutz.» Was halten sie von solch einer Aussage?

Fichter: Es gab darüber viele lustige Memes auf Twitter. Jedoch finde ich diese Aussage bedenklich, obwohl das Vorantreiben der digitalen Strategie in der Schweiz eine gute Sache ist. Dabei ist die Sicherheitskomponente sehr wichtig und wird oft vernachlässigt. Das ganze Thema Hacking – nicht nur im Sinne von Cyber Security oder Infrastruktur, sondern Hacking im Sinne von Meinungsmanipulation. Ein Beispiel dafür wäre es, wenn man eine Email bekommt und auf eine Betrugsseite weitergeleitet wird oder die Verwirrung durch Fake News.
Solche «Informationshacks» sind leider nicht genügend in der Agenda des Bundesrates vertreten, obwohl das Verteidigungsdepartement sogar einen grossen Bericht zu diesem Thema geschrieben hat.

Q: Verschwörungstheorien kommen immer mehr auf in den Sozialen Medien, wo sind hier die Gefahren und wo sind die positiven Aspekte, die sich auf unsere Demokratie auswirken?

Fichter: Ich sehe, dass die traditionellen Medien relevanter werden, wobei ich Angst habe, dass alles plötzlich relativiert wird und man sich fragt, was heute noch wahr oder falsch ist. Meiner Meinung nach gibt es klare Fakten, die nicht widerlegbar sind. Im Fall der Verschwörungstheorien finde ich, dass diese für die ausblutenden Medienhäuser eine Chance ist, mit Fakenews Geld zu generieren, da im Beispiel der künstlichen Intelligenz von Facebook jene alles belohnt was viele Reaktionen auslöst, was die künstliche Intelligenz eigentlich dumm macht.
Jedoch wirken sich die Sozialen Medien auch stark auf die Schweizer Medien, was dazu führt, dass sie gegen die Verschwörungstheoretiker konkurrieren. Dies führt aber wiederum dazu, dass sich immer mehr LeserInnen für Qualitätsmedien interessieren und sich dann sogar dazu entscheiden, ein Abonnement zu machen, weil die Korrektheit der Informationen ihnen dann wert ist. Obwohl die Qualitätsmedien so erneut Einnahmen generieren, bleibt die Sorge, dass die Zahlungsbereitschaft der LeserInnen nicht mehr vorhanden ist, eben genau wegen den Sozialen Medien. Dennoch sehe ich auch Chancen darin; zum Beispiel, um als freiarbeitende Journalistin zu arbeiten und durch Werbung so Geld zu verdienen.

Q: Und nun kommen wir zum Schluss zu einer etwas auflockernden Frage; Wenn sie eine Schokolade wären, welche wären sie und wieso?

Fichter: Ich mag keine Milchschokolade, dafür mag ich schwarze Schokolade; vorzugsweise leicht bitter mit Chili. Das ist jetzt im Moment ja auch recht im Trend. Ich habe auch gerne weisse Schokolade, die typische Milchschokolade ist mir mit der Zeit verleidet.